HIER  STAND  IN   DEN  JAHREN   1941 - 1945 

DAS   GESTAPO  AUFFANGLAGER  REICHENAU.

IN DEM PATRIOTEN AUS ALLEN VOM NATIONAL

SOZIALISMUS  BESETZTEN  LAENDERN INHAF-

                                                                                             TIERT UND GEFOLTERT WURDEN.

VIELE  VON  IHNEN  FANDEN  HIER  DEN  TOD.

 

 

 

 

 

 

 

gebt nichts                       nehmt alles                        mit                         ins grab

 

 

 

lommer. abfall. 2019

 

 

 

wenn dir zum heulen ist, wenn du am rand stehst und das gefühl hast, das gleichgewicht zu verlieren, dann geh dorthin, geh zum hof, stöpsle dich voll mit deiner schönsten musik, ein chor, ein sanfter. und du wirst dich erinnern an den rauch, der hier aufgestiegen ist von deinen vorfahren. asche zu asche und staub zu staub. in jenen tagen, als die welt noch in ordnung war.

 

 

 

am stadtrand steht der recyclinghof. vor einigen jahren neu erbaut. effektiv. modern. die antwort der stadtregierung auf die anforderungen der zeit. müll. sonderabfälle. altes. unbrauchbares. wird gesammelt. weiter sortiert, wieder verwertet. die angestellten sind nicht mehr jene müllmänner aus der gründerzeit, als die welt noch arm und schmutzig war, die unrasiert, derb und mit wenig lust diesen niedersten dienst an der gesellschaft ausübten. das waren damals einarmige, einäugige. einfüßige. krüppel, die der krieg ausgespuckt hatte und die ihren platz hier im grenzbereich zwischen zivilisation und barbarei zu finden hatten. ungefragt. unbeachtet und von den kindern ängstlich beäugt. nein, hier war jetzt ordnung eingetreten. ordnung und modernes entsorgungsmanagement.

 

 

 

die welt und die umwelt. wer so einteilt, hat den blick durch und über die dinge und muss nicht zweifeln, muss nicht grübeln, muss nicht lange nächte schwitzen, ohne diesen erlösenden lichten ausgang zu finden. es waren berge am stadtrand, oder auch nur sanfte hügel, oder gar nur ebenes, braches, karges land. dort jedenfalls gab es platz endlos viel, und hier war auch alles schon vorbereitet gewesen für die wiederverwertung, für sortieren und trennen, für vernünftige arbeitszuweisungen und endlösungen. hier war der ort für den abfall unseres lebens. die exkremente flossen unbemerkt in sickergruben, der rest kam hierher, hier, außerhalb der wohnanlagen, wo nichts gesehen, nichts gerochen wurde. wir haben etwas schönes geschaffen, das wir nicht beachten mussten. wir wussten, dass es gut war, und was gut war, war auch rechtens. tonnen von abfällen, wieder verwertbare materialien brachten spezialisten und private auf eigene kosten hierher, überzeugt davon, dass das, was sie gerade verrichteten, auch vom lieben gott einst gewürdigt und entsprechend honoriert werden würde. mülltrennung war ein glaubensbekenntnis. warst du dafür, gehörtest du dazu. wer sich dagegen stellte, war feindlich gesinnt. subversive gab es allerdings sehr wenige, die ächtung war hart und gnadenlos. an wolkenlosen tagen lag das areal wie ein campingplatz in der landschaft.

 

 

 

am eingang gibt es eine schranke. im kleinen wärterhäuschen daneben verrichtet der recyclinghofwart seine pflicht und kontrolliert eigenhändig jedes eintreffende fahrzeug. blick auf die rückbank, in den kofferraum, bei größeren automobilen muss die ladetür geöffnet werden, das mitgeführte strandgut wird begutachtet und kommentiert. das hier in den großgerätecontainer, den tisch zum sperrmüll, und was ist das? sondermüll. fragen sie die kollegen hinten im büro. so ging alles seiner ordnung nach und unzählige materialien wurden sortiert und nach von außen schwer nachvollziehbaren kriterien wieder zu neuen gruppierungen zusammengesetzt. alle wussten um die wichtigkeit des mülltrennprogramms, doch kaum jemand wusste genaueres zu bzw. interessierte sich für details. es musste nicht gefragt werden, da die ordnung eine einleuchtende und bei längerer betrachtung auch eine war, der man durchaus eine gewisse ästhetische qualität zusprechen konnte. im container mit alu-dosen z.b., ließ sich sehr leicht ein puzzle modernen designs lesen, wundervolle illustrationen zum anregenden getränkekonsum, froh, bunt, durchkomponiert und authentischer als jede gewollte installation in den modernen kunsttempeln. besonders beeindruckend waren die sondermüllregale. farben, medikamente, lacke. ihrer gefährlichkeit nach aufgestellt und vom charme des möglichen untergangs begleitet.

 

 

 

was eigentlich ist der unterschied zwischen wegwerfen und recyceln? auf der einen seite wird einfach weggedreht, unbeachtet, brauch ich nicht mehr, ab, tschüs, byby. nicht einmal mehr in den müll. einfach auf die straße, aus dem fenster. einfach ahoi. augen zu und auf nimmer wiedersehen. das ist wegwerfen. machen wir mit allem und allen. wasserleichen aus dem mittelmeer. oder gibt’s da einen ersoffenen-friedhof? erfrorenes und tiefgefrorenes balkanroutenfleisch (importverbot). wir lassens einfach liegen, und die politik sagt, dass das ein gutes zeichen sei. unser oberchef mit dem unglaublich langsamen augenaufschlag strahlt radioaktive kompetenz aus, das liegengelassene fleisch ist unser fortschritt. ein anderer wiederholt in endlosschleifen, dass man, und auf zuruf seiner huren auch frau, sich einfügen müsse in die notwendigkeiten des daseins, bis ein gottesmann dann doch den mut findet und sich zaghaft zu fragen traut, ob das mit dem leben und dem lieben nicht doch eher von gott usw. gott ist tot. so haben sich verirrte menschen auf den weg gemacht und richten und rechten mit donner und kanonen, anstatt mit verstand und herz. auch sie: wegwerfen, liegen lassen. da ein paar leichen, dort verkrüppelte kinder, frauen und auch männer, ja auch männer. der recycler an sich macht das auch: wirft weg. aber geordnet, sortiert, mit zivilcourage. mit ziel und zweck. es soll eine freude sein, und gut und schön. so hat der hof seinen zweck und wir schlafen ruhig. die frauen machen die beine breit und die männer stoßen. wie die tiere. wenn es gut geht, nennen wir das liebe und lassen es zentrifugieren. gütesiegel, qualitätsüberprüfung, preis-leistungsverhältnis.

 

 

 

all der müll am rande der stadt. er ließe sich auch locker als ein spiegel unseres seins lesen. spannend, bunt, fantasievoll und anarchisch im rohzustand, ordentlich, geschult und gemilitarisiert, sortiert und valutiert, aber eben doch auch sehr langweilig. schwanz zu schwanz und fut zu fut. oder wechselseitig. aber nichts anderes. und wehe der unordnung. schwanz, oh mein gott. fut, oh mein gott. alles, was nicht ins recyclingsystem passt, muss in den sondermüll. das verursacht kosten, das braucht zeit und energie. die menschen im hof sind ein teil von ihm. sind ein teil des systems. wer sich nicht einfügt wird abgewiesen, ausgeschlossen.

 

 

 

früher. ja, früher war alles anders. will nicht heißen: besser. aber eben doch anders. anders als heute. und heute ist echt scheiße. also wars früher automatisch besser. ganz egal, ob das jetzt in allen einzelheiten auch passt. aber früher war das leben entschleunigt. man war jung, hatte das leben vor sich, die träume auch. und wenn jemand das arschloch spielte, konnte man sich einfach umdrehen und seines weges gehen. oder drauf hauen und seines weges gehen. das blieb sich gleich. der weg, der war möglich, und gegeben. heute hingegen. alles drängt, drückt, alle in dieselbe richtung. keine freiheit mehr, keine hoffnung, wir werden gestoßen und geschubst, dem ende hin, zum ausgang, der keiner ist, sondern bloß der eingang zur hölle. das hab ich dann irgendwann auch gemerkt, dass das ich sich aufzulösen beginnt, und wir in dem brei des namenlosen altfleisches zu einem einheitsgatsch verschmolzen werden. je freier wir geworden sind, desto mehr wurden unsere möglichkeiten eingeschränkt, weil wir erkennen mussten, dass aus der endlosen vielfalt auszuwählen war, da wir zeitmäßig nur einen bruchteil davon in unserem kurzen leben bewältigen konnten. so war das. und heute sind wir echt bescheuert und glauben, dass so ein recyclinghof irgendeine bedeutung für unser leben hätte.

 

 

 

den kindern wird gezeigt, dass batterien in einen besonderen container kommen. weil wenn nicht, dann ist die ganze umwelt in gefahr, und wir müssen alle sterben, und die welt ist dann kaputt. daher macht eine gute familie einmal im monat an einem samstagmorgen einen ausflug in den recyclinghof (sonntag geschlossen. auch müll braucht ruhetage). mutter zeigt papier, flaschen, sondermüll, wie medikamente, putzmittel, kleine elektrogeräte. vater ist für das grobe zuständig. wie im alltag auch. sie schnittblumen, er heckenschere. also sperrgut, bioschlamm aus dem ausfluss, ätzende öle, alte vibratoren. und die kleinen sind fasziniert, sehen die ordnung, die sauberkeit, und sehen, dass es gut ist, und dass man nach so einem samstagmorgen beruhigt in das wochenende entlassen werden kann, in der schönen gewissheit, dass die welt so schnell nicht kaputt wird, und sie also noch eine weile kinder sein dürfen. "hier will ich arbeiten", sagt der kleine. hier ist es so, wie es sich kinder vorstellen. alles hat seine ordnung, niemand streitet, alle befolgen die regeln. metall zu metall. glas zu glas. holz zu holz. staub zu staub. "hier will ich arbeiten", wiederholt der kleine. aber die großen werfen sich nur einen knappen achselzuckenden blick zu und achten mehr auf die ebenfalls den samstag vormittag nutzenden nachbarn, als auf die beruflichen vorstellungen des eigenen nachwuchses.

 

 

 

alles ist rohstoff. alles ist kreislauf. nichts geht verloren. nichts wird aus nichts geboren. der recyclinghof ist keine neue idee, auch kein muss. gäbe es ihn nicht, würde das zeug nur länger brauchen, bis es wieder mit neuem leben beseelt wird. aus der batterie wird ein leberblümelein. gott hat die welt nur ein einziges mal erschaffen. das reicht für eine irdische ewigkeit. alles andere ist gelogen und gefaket.

 

 

 

 

 

warum eigentlich heißt ein kz kz? warum heißt es denn nicht kl? das wär doch klarer, hätte ich in der schule verstanden, hätte mich dann vielleicht interessiert. so aber. kz. das war der gleiche scheiß wie alles andere auch. schule eben. zum kotzen. wieviele menschen wurden im kz mauthausen von den nazis ermordet? ja, wieviele denn, du lehrerarsch? warst du dabei? und was bringts, dieses wissen? ein großvater war nazi, der andere sozi. nach dem krieg mussten sie sich arrangieren, mussten vor uns kindern liebe opas spielen. und hassten sich vermutlich wie die pest. wer ist denn besser? der nazi-liebe-opa, oder der sozi-liebe-opa? ist doch scheißegal. heute sind beide schon längst unter und in der erde. die frage ist irrelevant.

 

 

 

nicht weit weg vom kz/recyclinghof hat man so eine aufblasbare tennishalle errichtet. weiß, groß, modern. ohne fenster. aber klimaanlage. für flüchtlinge. dass sie nicht mehr flüchten. dass sie alle zusammenbleiben. dass keiner verlorengeht. ab ins heim. heim ins reich. heil und ganz angekommen. aufgegriffen. intergrigiert. wenn sie sich ordentlich benehmen, wenn sie nicht jeden tag die pissoirs mit klopapier verstopfen (die schweine), wenn sie ihre tampons und binden nicht immer ins klo werfen ohne zu spülen (die schlampen). dann brauchen sie nur ein paar jahre in den weißen wänden bleiben, bis sie geläutert sind und dann sehr dankbar, wenn sie eine feste stelle in genau jenem wc angeboten bekommen, das am anfang so versaut worden ist.

 

 

 

und wenn du dann nachschaust, dann findest du auch tatsächlich kl und bei kz steht dann: nicht begründet, nicht erklärbar. ich gebe wo. was gibst du? kl? kz? wo? brauchen wir das alles noch? lager? konzentration? lol, wow, ups. das reicht. kein kz mehr. nein, nichts nichterklärbares mehr. es reicht. jeder sagt, was er will. und jeder versteht, was er will. jede auch. und jedes natürlich. geschlechtlich. gen der südländer. der große dichter? super, wenns dich anmacht, prof. aber bitte lass mich damit in ruhe. lesen ist für einhörner, nasenbohrer und politikerhassredenschreiber Innen. so ein scheiß und trotzdem: solange gebetet und nachgebetet wird, ist das wort gültig und der buchstabe mächtig. letter für letter muss alles richtig sein.

 

 

 

kz also. silicon valley. dort wird hochkonzentriert gearbeitet. rund um die uhr. lager kommt von liegen. ob das ein kz ist, werden wir in zukunft wissen. es ist aber nicht von belang. die apokalyptiker schweigen während der apokalypse. erst nachher wird erklärt. oder vorher orakelt. das schlimmste, am schrecklichsten, die meisten todesopfer, wie die tiere, ohne gewissen, hier, an diesem ort, wir, ich. nummer eins. negativ. aber: die absolute nummer eins! diesen posten lassen wir uns nicht nehmen. wir sind der abschaum. wir sind das letzte, die nachkommen der opfer, die nachkommen der täter. es ist egal. bleibt sich gleich. nur hie und da wär es schön, wenn wir die bürde absetzen könnten um uns auszuruhen. beim dorffest. beim staatsfest. beim weltfest. nicht immer denken müssen. das kz. das kl. wo geben.

 

 

 

der könig des mülls ist reich. reicher als die meisten in der stadt. alles was wir wegwerfen nimmt er zu sich und schaut, was man daraus machen könnte. und da er könig ist, weiß er, dass aus allem, das weggeworfen wird, etwas gemacht werden kann. das nichts ist ja auch filosofisch ein schwachsinn. erst recht hier, am recyclinghof, ist das ganze nichts anderes als das, was wir eben wegwerfen. pures geld. pures gold. du musst nur zugreifen, deine hände schmutzig machen. dann liegt alles vor dir, es stinkt vielleicht ein bisschen. aber ansonsten ist alles wie ein roher diamant.

 

 

 

hinterm hof war die lommer, ein haufen lebloser steine mit flair. die kinder waren manchmal dort. auf der suche nach den geheimnissen der welt. rostige nägel, ein paar leere konservendosen, glasscherben. damit ließ sich eine neue welt zusammenbauen. ein leben hinter dem vorhang. alice im wunderland.

 

 

 

die lommer war nicht verboten. nein. aber sie hatte etwas unantastbares. es gab dort nichts. die abfälle der bauern waren nicht vorhanden. organisches fraß die sau. papier und holz wurden verbrannt. verschürt. zum kochen. zum wärmen. flaschen reichten eine handvoll zum nachfüllen. einmal pro jahr ging eine kaputt. die scherben wurden in die lommer gebracht. metalldosen gab es so gut wie keine. oder sie wurden gebraucht. zum aufbewahren alter nägel, nieten und muttern, von knöpfen und fäden und dem ganzen rest eines haushalts. so war also dort, wo das hinkam, was nicht mehr zu gebrauchen war, ein leerer raum, ein fast sakraler ort, dem sich die kinder mit einiger scheu und vorsicht näherten, in der leicht erregten erwartung, einen unbekannten schatz zu finden. und selten, aber immer wieder, fand man auch: staniolpapier einer schokoladetafel, eine von den jahren geschliffene scherbe. mit der ließen sich die sonnenstrahlen bündeln und die schönsten feuer entfachen.

 

 

 

passt auf die viper in der lommer auf! auf den wurm! der war die personifizierte angst. der wurm. die schlange. viel gefährliches gab es auf dem hof ja nicht. ein stoßendes hinterbein der kuh beim melken. der sturz beim kalken der latrine. der blitz in den baum und dann in den mensch. dieser unbelebte steinhaufen mit den sündigen resten der hoffnung auf eine bessere zukunft. die lommer war kalt, sie war schattig, sie war das schwarze loch am hof. nicht weit weg vom wasser, von der quelle, vom brunnen. kinder, wasser holen! in jeder hand eine alte 1 l milchkanne, am brunnen randvoll füllen, die vielleicht 100 m zum haus waren an manchen tagen wie eine ewigkeit. pfifferlinge, steinpilze auf dem weg. fast jeden tag: schwammelen. mit knödel, mit plent, mit reis, mit nudel. kinder, gehts schwammelsuchen. in höchstens einer halben stunde war das mittag- oder abendessen gesammelt. neben der lommer war die pleas. himbeeren. zwischen den steinen einer scheinbar aufgelassenen lommer aus den vorzeiten der landwirtschaft, wuchsen himbeerstauden zuhauf und krallten ihre stacheln tief in unsere kindlich weiche und unschuldige haut aus kurzer lederhose und schmutzigem leibchen. die viper auch hier. noch gefährlicher als in der lommer, weil die steine überwuchert, der wurm also meist unsichtbar auf dem von der sonne aufgeheizten gestein liegen und uns kinder bei der ernte und der verspeisung der verbotenen früchte gehörig furcht einflößen konnte.

 

 

 

die pleas war irgend ein wort aus den vorzeiten. als alle eine sprache sprachen, die heute niemand mehr verstehen würde. muttersprache. nicht wort gottes, nein. jene der frau, des weibes, der mutter. die pleas war ort der lüste. himbeeren. und des grauens. vipern. die pleas war der ort der fruchtbarkeit und der gefahr. außer den süßen früchten gab es nur negatives: die dornen der himbeerstauden, brennesseln, und den wurm. der war immer da. immer irgendwo unter den heißen steinen. schwarz. etwa einen halben meter lang. tödlich. das schöne an diesem ort war: himbeeren gabs nicht die ganze zeit. nur wenige wochen, wo es sich lohnte, für marmelade richtig viele beeren zu sammeln/klauben. die restliche zeit: gier, sucht, freude an dem schauder wegen des wurms. himper, so klang das. geats himper klaubn. mädchenarbeit, weiber, eine demütigung für werdende männer.

 

 

 

ich war ein indianer. mit selbstbemalten bunten hühnerfedern im haar und unmengen feindlicher stämme, die sich hinter den bäumen neben der lommer versteckten. der indianer war zuständig für die sicherheit seines stammes und die büffeljagd. aber himper? nein. also gabs auftragsverweigerung. die meisten beeren wanderten direkt in den mund, ein paar wenige in den becher, der zu füllen gewesen wäre. aber die mädels waren viel flinker und freudiger bei der arbeit, hatten ihre becher bald voll und durften anschließend auch den meinen füllen.

 

 

 

die himperpleas hinter der lommer. heute sind es vielleicht 5 minuten vom hof. aber damals war das eine weite reise ins land jenseits, zur lommer, zum wurm. heute aber ist alles anders, und den ort gibts nicht mehr. ein neues haus. eine neue straße. die großeltern sind schon lange tot, der vater auch, und meine kindheit ist irgendwo verloren gegangen im wirrwarr der wegkreuzungen. interessant, dass es wichtige lebensorte gibt, die nur mehr in unserem kopf existieren. keine lommer, keine himperpleas. und auch von den alten kazetts gibt es nur noch museale erinnerungen. gott sei dank. die allerletzten täter und opfer sind derzeit noch beim sterben, aber ansonsten wird nicht mehr viel über bleiben von den schrecken der menschen inmitten der menschen. es gibt nicht mehr viel. zeitzeugen. oral history. der ahnenpass in der untersten schublade des schreibtisches im dachboden. nein. kein dachboden mehr. auch das ist vorbei. flachdächer. oder unter dach platz für technisches gerät der solarzellen. kein dachboden mehr, und schon wieder ist gott gestorben, und die spuren der vergangenheit verschwinden wie die rauchfahnen aus den schornsteinen. und wenn es keine angst mehr vor der vergangenheit gibt, weil wir sie, die vergangenheit, nicht mehr kennen, so tut sich wieder raum auf für neues, für altes, das verborgen ist. und dann können wir wieder träumen und hoffen und denken: so schlimm wirds nun wohl doch nicht kommen. weg die lommer, die fotos, die bilder, das wort. gott ist wieder gestorben. und dann dauert es nicht lange, und aus den zerfallenen gräbern steigen die neuen götter und göttinnen, regenerieren sich und planen konsequent und pausenlos den eigenen aufstieg und damit auch den nächsten untergang.

 

 

 

so bin ich gekommen zum kreis des ewigen seins, um festzustellen, dass er nicht rund war, dass er ecken hatte und pausen, leerstellen. die gebogenen enden gerade striche und überhaupt: das sind keine konzepte, nur kindliche hoffnungen, träume aus der sandkiste für niedergeschlagene erwachsene. so wie kinder kriegen. ohne hoffnung auf wesentliches, aber doch ein einziger lebenszweck.

 

 

 

die müllhalden heute sind entweder der urgrund für slums oder vorzimmer für sterilisationsräume. in den slums blüht das leben, und der unterschied zwischen kraut und unkraut liegt eher im geschmack. im sterilen wird jeder geschmack abgetötet. das interesse an wachstum ist nicht vorhanden. sauberkeit ist die abwesenheit von dingen. wir leben vom licht.

 

 

am 6. mai ging mostafa aus seinem haus, begleitet von freundlichen soldaten, die ihm schutz und geleit gewährten. er war nackt, unrasiert, und zitterte noch vor scham und überraschung, zu so früher stunde aus dem bett geholt und hierher gebracht worden zu sein. die tatsache, hier ganz ohne bekleidung, ohne schutz inmitten bewaffneter soldaten stehen zu müssen, war zwar mit einem ungewohnten, noch unbeschreibbarem gefühl verbunden, doch angst verspürte er keine. eher war es ein seltsam fluides gefühl, eine art transitorisches dasein, jenseits aller sozialen, geschlechtlichen und morphologischen einteilungen. er wurde in einen nackten raum gebracht, der sich an ihn anzupassen schien. er musste fragen beantworten, die er nicht verstand, aber er antwortete ordnungsgemäß und verstand auch seine eigene antworten nicht. es war wie immer. und doch war heute alles anders. ob er irgendwelche agressionen verspüre, wurde er gefragt. ob er einen plan habe, den recyclinghof in die luft zu sprengen, ob er ein attentat vorbereiten würde usw. er beantwortete alles wahrheitsgemäß und ausführlich. nein, keine gewalt. nein, nie. nicht einmal in der familie.

 

 

 

alles ist weiß. meine nackte haut passt sich den wänden an. und weiß auch die klänge und weiß der geschmack in dem raum aus licht. alles war stimme, alles war raum, alles geschmack. wenn du hier bist, sind die antworten leicht, weil die fragen wie luft in die poren dringen, und die antworten aus dir stoßen, ohne dein zutun, ohne energie, ohne zwang. alles fließt und geht, und freundlich ist hier alles, was du zu sehen bekommst. das ist der ort ohne abfall, das ist der ort ohne müll, das ist die lommer. und schon seit drei generationen ist hier nichts mehr weggeworfen worden. ich bin der erste. seit langem wieder. ein abfallen. ein müll. doch hier in der lommer wirkt selbst der müll wie ein teil vom ganzen. erst durch ihn wird der müll zu dem, was er zu sein vorgibt: sinnlos, unbrauchbar.

 

 

 

ich will keinen müll mehr. keinen dreck. meine hände sind sauber, die seele auch. ich bin weiß. die flecken in den leintüchern sind nicht von mir. ich will neue leintücher, saubere, weiße. nur die unreinen brauchen waschmittel, welche das saubere wasser trüben. nur jene, die essen und trinken, brauchen toiletten. der dreck der menschheit wird uns selbst vergiften. wir leben von der erleuchtung. wir leben vom licht. die fusion der kerne gibt uns endlose sauberkeit. und jene, die es nicht verstehen, werden versinken in den meeren der abfälle. der könig ist ein produkt seiner reste. was von ihm bleibt, werden ungleichungen sein, nicht lesbare zeichen und bilder. der könig wird fallen unter der last seiner krone, deren herkunft ihm nicht mehr verständlich ist. und dann beginnt wieder die zeit ohne. das licht wird herrschen und

 

 

 

der dreck versinkt in den fluten der einsamkeit. der abfall fällt, und was übrig bleibt ist nacht, rein und weiß. auf deinen schultern, in deinem kopf spürst du die freundliche leere des frühlings, die dir flügel verleiht, ohne dass du abheben musst, ohne gefahr eines absturzes, ohne angst vor der sengenden sonne. weiß ist die ruhe, die entspannung. weiß ist gut. weiß sind alle götter und göttinnen. der reinheit des handelns ist jene des denkens zur seite zu stellen. denken wir alles und es wird licht. tun wir alles und es wird krieg.

 

 

 

eine müllverbrennungsanlage. wir verbrennen unseren müll. je mehr wir verbrennen, desto mehr energie gewinnen wir. wir produzieren viel müll. wir produzieren mehr müll. wir produzieren am meisten müll. dann haben wir auch am meisten energie. je mehr müll, desto mehr energie. lasset uns also. lasst uns viel dreck produzieren, und wir werden reich. wir werden reicher... alles verheizen. alles in rauch. alles energie. alles walzer. alles sortieren. trennen. dreckwühlen. wozu? wir verbrennen alles. lassen es umwandeln in energie. ein filter auf dem kamin. das reicht. und nicht weit von hier ein modernes krankenhaus mit krebsstationen. viele krebsstationen. so viele stationen, bis auch der letzte krebs besiegt sein wird, und die menschen wieder arbeiten können, bis sie vor altersschwäche direkt ins grab sinken. eine saubere luft mit einer sauberen energie in sauberen städten. dann müssen wir uns nicht mehr waschen, müssen uns nicht mehr schämen, weil wir weiß gewaschen und weiß gedacht werden, und der schmutz der farben aus den bildern tropft, und übrig nur noch der umriss früherer muster bleibt.

 

 

 

in den op-sälen ist sauberkeit die voraussetzung für erfolgreiches arbeiten. kein staubkorn, keine bakterien, alles neutral, alles gesäubert von dieser welt, vom dreck, vom abfall. und dann doch sofort wieder verdreckt, wenn der erste schnitt gemacht ist. es bricht aus uns heraus. es fließt. es spritzt. es ist sichtbar, riechbar. es stinkt. auch unser eigener müll stinkt. jede geburt ein wunder. aber gleichzeitig auch eine jauchegrube. das neue leben stinkt sich bereits am beginn in den himmel. meistens. oder hie und da auch wieder in die hölle.

 

 

 

auf der psychiatrie hat der primar angeordnet: wegen des großen bedarfs an windeln und einlagen und wegen der gesamtgesellschaftlichen sparpolitik ist ab sofort eine reduzierung des windel- und einlagenkonsums um 30% strikt einzuhalten. zuwiderhandelnden mitarbeiterInnen wird nach 2-maliger warnung eine fristlose kündigung wegen nichterfüllung des arbeitsauftrags angedroht. eine vernünftige entscheidung, eine die alle verstehen können, die sich länger mit dem thema psychiatrie beschäftigt haben. menschen, die es nicht schaffen. gesundheitlich nicht, intellektuell nicht. oder denen halt sonst was fehlt. defizitäre, solche, die uns eine menge kosten und nichts bringen. da werden unsummen investiert. ins blaue, ins brotlose.

 

 

 

wenn schlangen irgendwo sichtbar wurden, dann entweder beim heumähen mit der sense - a wurm, heit hon i an wurm gsegn - oder bei den nackten steinen - di lommer isch voller wirm. und das bedeutete, dass wir den ort möglichst meiden sollten, was zur folge hatte, dass es für uns kinder kaum einen erregenderen ort als die lommer geben konnte. in dr lommer gibs nix zu suachn. also lagen unbeschreibbare schätze dort, die wir einen ganzen sommer lang in unsere realität eingebaut hatten. rostige nägel, glasscherben. das war die grundausrüstung. konservendosen. aber wenige. die meisten kannten wir. es waren unsere. corned beef-dosen, die wir aus der stadt mitgebracht hatten. neuwertig, ohne geschichte, ohne geheimnisse. aber hie und da kam eine nicht datierbare dose zum vorschein: ein gewitter hatte sie unter den steinen hervorgespült, oder es waren räuber vor kurzem zur stelle, oder gangster, mörder. in der lommer liegt das geheimnis, die geschichte des hofs begraben. wir waren die grabschänder, die leichenfledderer. wir schufen uns einen heiligen ort, dessen bedeutung nur uns bekannt war, und der unsere träume besetzte.

 

 

 

die schlange in der lommer war die einsamkeit. die andere welt. das tor zum märchenland, in dem sich mörder und feen herumtrieben. und winnetou, der häuptling aller guten indianer und menschen. der mensch ohne müll, ohne überflüssiges. der reine mensch. kein mann. nur mensch. für ihn habe ich im wald die kleinen steige mit einem föhrenzweig als besen gekehrt, damit man die spuren der feinde besser sehen konnte. der wald war endlos, und hinter dem ende, der grenze, war die welt, die wir nicht mehr sehen wollten. keine einzige föhrennadel durfte auf dem steig liegen. ich hatte eine mit wasserfarben bunt bemalte feder vom weißen hahn in den haaren, oder, wenn nichts anderes zu finden war, eine von der henne. kein müll. nichts fiel ab. alles war eingebettet in einen ablauf, den niemand lernen musste, weil alle ihn von geburt auf kannten. der wurm in der lommer machte uns kindern angst. jener beim mähen im gras dem bauern. die scharfe sense streifte die schlange. mit etwas glück saß der schnitt, und das reptil war sauber in zwei teile geteilt. bei unglücklicherem ausgang schlang sich ein verwundetes tier um ein bein des bauern und konnte mit dem giftzahn gefährlich nahe an die wade gelangen. dr wurm isch wieder do - sagte der bauer am abend, und wir kinder auf der ofenbank lauschten den wenigen worten, als ob das ende der welt verkündet worden wäre. die nächsten tage waren dann ohne lommerbesuche zu verbringen. zu groß war die angst, und zu tief war das gespenst des tödlichen gifts in unsere seelen gedrungen.

 

 

 

kein raum mehr. der müll ist unser gewissen. unser schlechtes. bitte keine sanitären ..., ... verboten, ... in die blaue tonne, ... nicht an sonn- und feiertagen, ... nur in den eigens dafür vorgesehenen ..., helfen sie mit... unser leben dreht sich um das unsichtbare. das sichtbare sind die strafen und die belohnungen. die sind bewertbar und lassen sich in geld ausdrücken. der müll aber, unsere tages-, nacht- und lebensreste, wird nicht mehr gesehen, wird weggebracht, existiert in dem moment, in dem wir ihn produzieren, für unsere wahrnehmung nicht mehr - müll, abfall, weg, aus den augen, aus dem sinn. sinnlos. alles ist weiß. weißer als weiß. es ist unfassbar, wir haben keine ahnung mehr. wir implodieren, die gedanken wandeln im umkehrschub.

 

 

 

fleisch ohne leben ist essbar. aber nicht ewig. aber nicht jedes. vegane sagen: keines. normalmenschen (?) denken: ein bisschen schadet nicht. aber: was ist ein bisschen? und wo ist die grenze? das tier? der mensch? und dazwischen nichts? miau miau? wuff wuff? no way? nein? nein. zumindest nicht, solange wir es wissen. alles, was wir nicht wissen, ist ok. corned beef. dosenfleisch. fleischdosen. es schmeckt. was nicht geschehen ist, was nicht gesehen wird, all das ist essbar. alles andere ist: müll, abfall, lommer. der fuchs, der wurm, die auerhenne. da bleibt nichts übrig. es ist sauber, und der kreislauf funktioniert noch. die blähungen der rinder in argentinien haben ein loch in unsere atemhaut gefressen. und unsere haut wird leiden und den kindern die glieder verbrennen. weil wir den müll nicht mehr sehen wollen, weil wir ihn verstecken, nicht anschauen, ignorieren. die zigarren von fukushima brennen noch für lange zeit und strahlen in unsere schlechten träume.

 

 

 

wo sind die leichen? wo, die alten körper? wo die föten? alles verschwindet. alles kommt wieder. ja. aber weshalb wissen wir nicht mehr? warum verschwindet alles ungesehen? eintritt verboten. zutritt verboten. filmen und fotografieren verboten. alles regeln. alles geregelt. das wetter ist fine und wir sind hipp. ein knopfdruck und wir wissen alles. wir schreiben mit dem daumen. bald brauchen wir nicht mehr zu schreiben. ein barcode genügt.

 

 

 

wir denken, was die impulse ausstrahlen. die info ist: das wetter schönt. aber draußen regnet es. nicht die info ist falsch. das wetter ist eine schweinerei. ich habe gelesen, der star kommt in die stadt. er ist nicht gekommen. ich habe umsonst gewartet. der star ist ein arsch. die gedanken sind frei. und gefangen ist das herz im netz der informationen, die keinen anfang und kein ende haben. erst wenn ich abschalte, entkopple, entstöpsle, entkupple, erst dann tun sich die neuen alten räume wieder auf, und wir finden wieder so etwas wie substanz, wie leben, wie zeit. ich goole, ich twittere, ich instagrammiere. ich kann ohne netz nicht existieren. wenn ich kein netz habe, falle ich. wenn ich kein netz habe, bin ich traurig und denke daran, dass ich nicht mehr länger leben möchte. das netz bin ich. ich gehe nicht, ich bin. wer ohne es denkt, wird ohne es vergehen und in den dunklen tiefen des alls für immer verhungern und ersaufen. du bist meine liebe. du bist mein konzept, du bist meine rettung. wenn ich dich nicht habe, spuckt das netz eine kopie von dir in mein bett, die sich von der vorigen kopie um nicht unterscheidet.

 

 

 

es gibt menschenmist. die kannibalen fressen ihn. wir sind hier aber keine kannibalen mehr. kaviar und austern. das sind unsere speisen. vielleicht gibt es noch vereinzelt kannibalen. ein entfernter verwandter hatte diesen kalten blick. tiefe augenhöhlen. linkisches zucken in den mundwinkeln. buffalo sein name. er hat vielleicht, hie und da. zumindest hab ich mir das als kind so vorgestellt. oder gewusst.

 

 

 

der menschenmist ist inzwischen glo und baal. ein rundum gürtel mit totem fleisch. das wir kochen, braten, grillen, essen. ein trockenfleischfleisch. in echter bioqualität. direkt aus der unberührten natur. direkt aus dem urwald. aus der wüste. unverdorben und ganz rein. noch vor dem sündenfall. noch vor den ganzen neuen grenzen, die sich im schädel aufgetan. die schlechten können getötet werden. ohne zu fragen. es reicht der präsident. es reicht ein wort. und wir sind wieder. nein: wir sind endlich an der mauer der gerechtigkeit. wo sie kommen, freiwillig, angezogen von der eigenen boshaftigkeit. und sie opfern sich und bringen sich dar. das futter ist ein globales geworden. wie das morden und gemordet werden. gib mir, was mir nicht gehört. nimm alles, was ich am leibe trage. nimm meinen leib. nimm mein brot. es sind die kleinen dinge, die zählen im leben.

 

 

 

ein müllhaufen, ein haufen müll. ein haufen menschen. ein haufen menschenmüll. ein haufen müllmenschen. eingemüllt von geburt an. mit dreck versehen seit der vertreibung aus dem paradies. es lebt sich leichter in der sauberkeit an der oberfläche, wenn die darunter lebenden pickel, parasiten, engerlinge nicht gesehen werden wollen. die frau im tv schneidet aus und deckt damit die nachricht zu. der retouchierte sprechermann befördert alle wahrheiten ins diesseits der befindlichkeiten.

 

 

 

wir brauchen palmenöl. wir brauchen öl. für alles. für den salat. für das auto. für das kondom. für den lippenstift. für die unterhosen. für die oberhosen. für alles. der liebe gott besteht aus öl. und wir produzieren es. wir produzieren gott. wir produzieren palmenöl. für das öl brauchen wir die palmen. und die palmen müssen gerodet werden. die palmen weichen dem öl. so wie die henne das ei verliert, das wir essen. ohne palmen aber kein öl. und ohne hennen keine eier. gentechnik. gentechnik. gentechnik. wir können alles reproduzieren. das essen im zeichen der reproduzierbarkeit. eines gleich wie das andere. heute, morgen, übermorgen, ewig. der müll ist nicht mehr zu unterscheiden. alles ist müll. alles ist wertvoll. wir sind beides geworden. die grenzen sind verwischt. das gute nicht mehr zu trennen vom bösen, der tod ist zum leben erwacht, und die geschlechter tummeln sich an den rändern, in der hoffnung, bald abzustürzen und ruhe zu finden. barfuß im kalten bach, die sohlen zerschürfen an spitzen steinen, der grund löst sich auf und entweicht in richtung meer. dorthin, wo ihn niemand mehr sucht noch findet. eine neue welt wird geboren, eine welt mit glück, ohne angst, nur mit freude, mit freunden, ohne feinde. krankheiten bleiben im krankenhaus, die armut in den armenhäusern und die traurigkeiten auf den friedhöfen. alle sind jung. alle sind schön. alle sind alt. alle sind hässlich. nein, wir haben keinen müll mehr. endlich: staub zu staub und panta rei. nichts geht verloren, nichts wird gewonnen. wir ameisen, wir bienen, wir menschen. und ich löwe, ich elefant, ich mücke. das plastik? machen wir essbar, trinkbar, ein nahrungsmittel, ein gleitmittel für unsere haut, für unser denken. denk nicht mehr, wir werden geführt in die endlose schleife des seins, das hinter dem mond verschwindet und dann wieder unverändert erscheint.

 

 

 

der unterschied zwischen dir und mir ist unser müll, unsere scheiße, unser dreck. recyclinggesellschaften organisieren und kontrollieren. jeder hat sein account, anonym. aber wenn eine chefin, ein chef es braucht, wird es besorgt. diskret und anonym. unsere spuren im schnee. egal. unsere spuren im dreck. das ist unser code. das ist unser code. der chef, der minister der präsident ist eine miese sau. die chefin, die ministerin, die präsidentin ein mieser eber. alles fließ, und einmal pro jahr wird wie bei augias der schweinestall gesäubert und alle sind zufrieden. ein schweinestall ist eine sauerei. die werden im eigenen dreck gelassen, um dann zu behaupten: das sind schweine. die habens gern dreckig. dabei ist nicht jedes schwein eine sau. auch umgekehrt nicht. aber viele politikerInnen, managerInnen, andereInnen... wie geht es Innen? wie geht es ihnen? der unterschied ist stuhl und harn. gibt es männlichen stuhl? gibt es weiblichen harn? wir schiffen unseren dreck nach afrika und nennen das entwicklungshilfe. breitbeinig und kravattiert stehen die männer vor den pissoirs und schiffen den dreck nach unten, in den armen kontinent, wo die lieben wutzelen sehnlichst auf ein zuckerl aus pisse und scheiße aus europa warten. europa! schenk mir die goldene dusche, brüllte zeus, als ihm sein ding zwischen den beinen zu explodieren drohte. am ende aber hing es doch nur alleine und schlaff vor dem schwanz, dem stierischen.

 

 

 

einmal pro jahr musste der bauer in die scheißhausgrube steigen. und seine exkremente und die seiner familie mit kalk löschen. kinder, pleips wek vum heisl! hieß es dann, und es wurden die geschichten von den unvorsichtigen erzählt, die in der scheiße ausgerutscht und im kalk elendiglich umgekommen waren. was aber passierte mit dem gekalkten dreck? für uns kinder blieb dies ein schauriges geheimnis. so wie etwa das salige fräulein im moor, oder der fleck auf dem holzboden im schlafzimmer, von dem wir gelesen, gehört oder einfach gewusst haben, es sei eigentlich ein blutfleck. von einem mord. von einem mörder, der sich bis ins jüngste gericht hinein, und vielleicht auch noch weiter, nicht wegwischen lässt. mit keiner bürste nicht, nicht mit schmierseife noch mit essig, nicht mit rosskämmen noch mit salz. und des bauern gewaltige pratzen strahlten an mondigen abenden gruslige assoziationen aus. wenn du durchs loch fliegt, bist du tot. das scheißhaus war ein an die seitenwand des hauses angebrachter schacht. einstöckig wie das haus mit einer sehr niedrigen tür. immer zu. damit keines der kinder hineinfällt. und auch der bauer nicht, wenn er einmal pro monat im sommer vom halbstündig entfernten wirtshaus betrunken und rabiat nach hause kam. dann wollte er sein weib, das aber stark war und nicht betrunken. du drecksau! hörten wir sie in der nacht schimpfen. aber es war mehr wie ein schlaflied als ein kampfgesang.

 

 

 

weil wir fressen wie die schweine (schweine würden mit serviette und silberbesteck, wenn...). wir lassen unser fressen um die ganze welt fliegen. bis so ein fressen einmal um die ganze welt geflogen ist, sind einige an dem flug krepiert. die aber sehen wir nicht, weshalb es uns wenig bis gar nicht berührt. wir fasten. nicht für den herrn. wir fasten für uns. für mich. ich bezahle viel geld in dem modernen hungertempel, damit ich nichts zu fressen bekomme. wir lassen uns unsere ärsche ausspülen, weil das meterlange gedärm in uns ekel erregt. der müll in uns. wir sind eine lebenslange müllhalde. eine deponie der exkremente. tragbare scheißhäuser. und weil wir dem so verbunden sind, füllen wir täglich zwei- bis dreimal unsere inneren mülltonnen und verleugnen ebenso oft die eigene produktion von scheiße.

 

 

 

all die mächtigen, unmächtigen, ohnmächtigen sitzen täglich auf der schüssel. oder gehen in die hocke. oder steigen auf den klodeckel, oder. oder. aber. aber sie drücken und furzen und scheißen erbärmlich und elendiglich und stinkend wie alle anderen menschen auch. dies ist die gerechtigkeit der exkremente, der kommunismus des scheißens. könig und königin, päpstin und papst, arzt und ärztin, lehrerin und lehrer. alle gleich. alle mit leicht verzerrten mienen und erleichtert dann, wie die hunde, wie die katzen. als ob nichts gewesen wäre. als ob das nicht widerwärtig sei. dieser stinkende müll aus dir selbst heraus. der körper ein abwasserkanalsystem. und nachher der kurze griff an den kravattenknoten, das glattstreichen des rocks an den oberschenkeln, ein wasch der hände in der unschuld der luft.

 

 

 

der phönix aus der asche, aus den trümmern. der erste neue grashalm. nach dem horror die hoffnung. der krieg ist der vater aller dinge. wer aber ist die mutter? und: wir sind noch nicht am ende. erst am anfang davon. wir müssen noch durch. durch diese scheiße von verlogenen reinwäschern und -wäscherinnen, antiseptischem geschwätz, endloser dummheit im namen aller erdenkbaren götter. die ganzen sinnlosen opfer müssen erst gebracht werden. das große schlachtfest ist grad mal in vorbereitung. die ersten ertränken wir schon wie katzen. die nächsten werden wir mit müll füttern, bis sie daran ersticken. am ende werden wir am eigenen fleisch zu nagen haben. die brennstäbe von fukushima liegen noch immer dort. sie liegen und werden gelegen.

 

 

 

die lommer war ein ort der einsamkeit. der ruhe. der absoluten, steinernen ruhe. ein meditationsraum, der ehrfurch und angst einflößte. ein abfallort ohne abfall. keine müllhalde, keine mülltonne. nur ein steinerhaufen mit ein paar rostigen blechdosen und abgewetzten glasscherben. sauber. eigentlich: rein. auch kein kuhdreck. die kühe hatten respekt vor den steinen. die waren so groß, dass wir kinder nicht damit spielen konnten. auch war die angst vor dem wurm allgegenwärtig. passt auf den wurm auf! immer und jeden tag. und dann auch beim mähen, beim heuen. der wurm. und der hennengeier. und die augenstecher. die ohrwürmer. so war und blieb das leben gefährlich. später kamen noch winnetou und old shatterhand mit auf die lommer und lehrten uns, die spuren zu lesen. hinter jedem baum wartete ein feind mit dem tommahawk, um sich unseren skalp zu holen und an den gürtel zu hängen. ich war nie alleine in der lommer.

 

 

 

wir nehmen so viel wie wir brauchen. wir brauchen so viel, wie wir nehmen. wer weiß das schon. sollte die plus-minus-null-rechnung der braven stimmen, dann dürften wir nicht lieben, weil wir dadurch dementsprechend so viel hass erzeugen würden. kann jeder tun, wie er will/braucht, dann ist die zeit der feisten und dreisten angebrochen. doch wenn wir es uns am wenigsten erwarten: ein wunder. ein schönes. ein schreckliches. jedenfalls eines, das alles anders macht. dann ist wieder zeit für pfaffen und imame, für mullahs und priester, für menschen mit mehr.

 

 

 

die welt wurde nicht erschaffen, um profite zu generieren. oder doch? war gottvater der erste kapitalist? ein besserer marx? und der profet? und alle anderen profeten ? hängt profet zusammen mit profit? dann ließe es sich erklären. mehr müll, mehr profit, mehr profeten. das glück ist zum greifen nah und die armut verständlich. die lommer bringt nichts. aus. alles wird zu müll. die armen, die reichen, die ausgestoßenen, die eingeschlossenen, die kinder, die alten, der hund, der müll. alles. je mehr, desto